Servitengasse


Seit 1778. Die Ordensgründung erfolgte 1234 in Florenz durch sieben fromme Männer, die durch eine Erscheinung der Muttergottes veranlasst wurden, sich ihren Diensten zu weihen. Sie zogen sich ursprünglich auf den Monte Senario zurück, später erbauten sie eine Kirche und ein Kloster, das zum Mutterhaus des Ordens wurde und heute noch besteht. Die Mitglieder nannten sich "servi Marie", das heißt Diener Mariens, woraus dann die Bezeichnung "Serviten" entstand. 1626 kam ein Florentiner Pater nach Wien, um die Möglichkeit einer Niederlassung zu ergründen. Sein Gesuch wurde jedoch vom Ordinariat und der Stadtgemeinde abgewiesen, ebenso eine einige Jahre später eingebrachte Bittschrift. Erst 1636 gab ihnen Bischof Anton Wolfrath die Erlaubnis, sich aus eigenen Mitteln, ohne Beeinträchtigung der übrigen Bettelorden, hier anzukaufen. Sie erwarben 1639 von der Witwe Laura Katharina Quattin in der Roßau ein Haus mit Garten und Stadel; aus letzterem entstand eine Kapelle, das Haus wurde zum Kloster. 1650 litt der Orden so große Not, dass der Kaiser den sieben Mönchen das Almosensammeln gestattete. Einen Freund und Gönner fanden die Serviten in Octavio Fürst Piccolomini, der sich nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges in Wien niedergelassen hatte und ihnen neben 30.000 Gulden auch das Gut Kotez in Böhmen schenkte. Seinem Beispiel folgten Erzherzog Leopold Wilhelm, Fürstin Dorothea von Liechtenstein, Geheimrat Dr. Elias Schiller und der kaiserliche Hofdiener und Ziegelofenbesitzer Johann Thury. Am 11. Nov. 1651 konnte daher Bischof Philipp Friedrich Graf Breuner den Grundstein zur neuen Klosterkirche legen. Einige Jahre später trat eine Verknappung der Geldmittel ein, so dass Carlo Canevale den Bau nur unter schwierigen Bedingungen fertigstellen konnte. Im September 1670 wurde die Kirche eingeweiht, aber erst 1678 konnten beide Glockentürme und das Klostergebäude vollendet werden. In der mittleren linken Seitenkapelle fand Piccolomini unter dem Altar seine Ruhestätte, die nach seinem letzten Willen kein Bild, keine Aufschrift, nur das Wappen oberhalb des Bogens und militärische Embleme in den Seitenreliefs trägt und so als "Piccolominikapelle" erkennen lässt.

Im Türkenjahr 1683 gingen die Dächer von Kirche und Kloster am 13. Juli in Flammen auf, als die Roßau gleich den übrigen Vorstädten durch die Kaiserlichen in Brand gesteckt werden musste; nur die festen Wölbungen hielten das Feuer vom Inneren der Kirche ab. Alle Glocken waren geschmolzen, überdies zündeten die Türken an zwei Altären ihre Kochfeuer an, wozu sie Schnitzwerk und Chorstühle zerschlugen. Dass die Türken die Kirche nicht völlig zerstörten, ist vielleicht dem Umstand zuzuschreiben, dass der Hospodar der Walachei, Servanus Kantakuzenes, anfangs im Klostergebäude seine Wohnung hatte und Christ war.

Im Juli 1684 schritten die Mönche an die Ausbesserung der Kirche und ließen durch den Baumeister Martinelli ein zweites Stockwerk auf das Klostergebäude aufsetzen. 1727-1728 wurde die Peregrin-Kapelle erbaut, 1765-1767 erweitert (Peregringasse).

Das Gebiet der Vorstadt Roßau gehörte pfarrlich zu den Schotten. Die Serviten besorgten nur die Versehgänge. Unter Joseph II. erfolgte eine neue Einteilung der Wiener Pfarren, und so wurde 1783 die Pfarre Maria Verkündung errichtet. Der Servitengarten wurde 1787 verkauft, zum Teil verbaut und die Müllnergasse zur Porzellangasse durchgeführt. Am 9. Juli 1917 brach während der letzten Messe um 11.30 Uhr im Nachbarhaus des Klosters Feuer aus, das rasch um sich griff und die Schindelbedachung und den Dachstuhl von Kloster und Kirche verzehrte. Das Kirchenschiff und die Kirchentürme blieben erhalten.