Georg-Sigl-Gasse


Seit 1888. Georg Sigl, geb. 13. Jänner 1811 in Breitenfurt, gest. 9. Mal 1887 in Wien. Wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf, verlor früh seine Eltern, erlernte das Schlosserhandwerk, kam 1832 nach Wien und ging dann auf Wanderschaft (Bayern, Württemberg, Schweiz). Nach Österreich zurückgekehrt, erlernte er in Wien die Schnellpressenfabrikation. 1840 errichtete er in Berlin eine eigene Buchdruck-Schnellpressenfabrik. 1846 kehrte er neuerlich nach Wien zurück und gründete im Puthonschen Haus an der Als eine Fabrik zur Herstellung von Schnellpressen. 1851 kaufte Sigl die noch brauchbaren maschinellen Einrichtungen, Transmissionen und Geräte einer 1848 ausgebrannten Fabrik und begann 1852 im 9. Bezirk, dort, wo in den vierziger Jahren Norris aus Philadelphia Lokomotiven gebaut hatte, mit der Fabrikation (die aufgelassene Lokomotiv-Zweigfabrik von Norris umfasste den Block Wilhelm Exner-, Severin-, Prechtl- und Tendlergasse). Das Unternehmen gedieh; von Jahr zu Jahr musste Sigl die Anlage erweitern. In der Währinger Straße 59 stand sein Wohnhaus, das sogenannte "Palais" - heute das Vorderhaus des Technologischen Gewerbemuseums. Der Bedarf an Lokomotiven war inzwischen in Osterreich so groß geworden, dass die bestehenden Fabriken diesen nicht mehr decken konnten. Sigl fasste daher den Entschluss, Lokomotiven zu bauen. Der ersten, 1857 von ihm erzeugten Lokomotive gab er den Namen "Gutenberg", weil Buchdruckerpressen den Grundstock zu seinem Vermögen gelegt hatten. 1861 pachtete Sigl die Günthersche Lokomotivfabrik in Wiener Neustadt (1867 kaufte er sie). Zahlreich sind die Unternehmungen, an denen er sich beteiligte, ebenso vielfältig die Projekte, die er in die Fabrikation einbezog: Lokomotiven, Schiffsmaschinen für die österreichische Kriegsmarine, Ölpressen, Arsenaleinrichtungen, Trägerkonstruktionen (u. a. den Dachstuhl der Votivkirche) usw. Auch die ursprüngliche Bühnenmaschinerie der Wiener Staatsoper stammte von Sigl. Der Erbauer der ersten brauchbaren Berglokomotiv für die Semmeringstrecke war Wilhelm von Engerth, Professor an der Wiener Technischen Hochschule; sie war ein Meisterstück der Maschinenfabrik Sigl in Wiener Neustadt, das auf der Pariser Weltausstellung 1867 den Ersten Preis errang. Sigl erhielt dafür das Komturkreuz des Franz Josephs-Ordens. Anlässlich der Erzeugung der 1.000. Lokomotive fand in der Fabrik auf dem Alsergrund am 1. März 1870 ein großartiges Fest statt, das am Vorabend mit einem Fackelzug und einer Serenade begann. Im Hofraum der Fabrik, wo die festlich geschmückte Juibiläumslokomotive "Elisabeth" stand, fand am folgenden Tag ein Festakt statt, in dessen Verlauf der Bürgermeister von Wien, Cajetan Felder, Sigl ein kunstvoll ausgeschmücktes Ehrenbürger-Diplom überreichte. Dieser beantwortete die Ehrung, indem er dem Bürgermeister 10.000 fl zur Errichtung von Kindergärten auf dem Neubau und dem Alsergrund übergab. Weitere 25.000 fl spendete Sig1 als Grundstock für einen Pensionsfonds seiner 3.700 Arbeiter. Die jährliche Erzeugung seiner Fabriken (in Wien und Wiener Neustadt) umfasste damals etwa 250 Lokomotiven, in der Wiener Fabrik weiters etwa 80 Buchdruckpressen, 40 Dampfmaschinen, 60 Lokomobile und Dampfdreschmaschinen.

Infolge der Wirkungen des Jahres 1873 musste Sigl alle seine Unternehmungen abgeben, bis auf die Wiener Fabrik, in welcher nur der allgemeine Maschinenbau Pflege fand. Im Jahre 1875 wurde die Wiener Neustädter Lokomotivfabrik in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1884 wurde in der Währinger Straße 59 das 1879 gegründete Technologische Gewerbemuseum untergebracht. 1887 ist Sigl, dessen große Verdienste um den Aufbau der österreichischen Maschinenindustrie vielfach Anerkennung fanden, gestorben.

Mit Sigls Name ist auch der Bau zweier Drahtseilbahnen verknüpft. 1872 wurde die von ihm erbaute "Knöpferlbahn" auf die Sophienalpe eröffnet, deren Talstation die Rieglerhütte war. Die Bahn, die eine Gesamtlänge von 600 Metern hatte und einen Höhenunterschied von 108 Metern überwand, war zweigleisig angelegt; in der Bergstation arbeitete eine Dampfmaschine mit zwölf Pferdekräften. Die Fahrgäste saßen in offenen, kutschenähnlichen Wagen, die vier Personen Platz boten. Die Wagen waren durch ein "Knöpferl", eine rote Eisenkugel am Zugseil, mit diesem verbunden, daher der Name der Bahn. Im Bedarfsfalle wurden mehrere Wagen zusammengespannt. An Sonntagen wurden in der Stunde rund 200 Personen befördert. 1881 wurde die Seilbahn aufgelassen, die Schienen wurden abgerissen. Heute benutzt man die noch vorhandene Trasse als Fußweg. - Die zweite von Sigl gebaute Seilbahn führte von der Donau auf den Leopoldsberg (Eröffnung am 27. Juli 1873). Mit Dampfkraft wurden die vergitterten Wagen (von denen jeder 100 Personen fasste) an Drahtseilen hinaufgezogen. Noch 1873 konnten 300.000 Personen zur Höhe befördert werden (Weltausstellung). 1874 flaute der Zustrom ab, denn 1872-1873 hatte man die Zahnradbahn auf den Kahlenberg erbaut und 1874 eröffnet. Aus Konkurrenzgründen wurde die Seilbahn 1875 von der Kahlenberg-Gesellschaft gekauft und abgetragen.